Du hast gerade ein Baby bekommen, willst deinen Bauch wieder stärken und machst dabei möglicherweise genau das Falsche.
Rektusdiastase ist häufiger als die meisten denken, wird aber selten richtig erklärt. Das Ergebnis: Frauen trainieren wochenlang mit Übungen, die das Problem nicht lösen, sondern verschlimmern. Dieser Artikel zeigt dir, was wirklich hilft.

Rektusdiastase bezeichnet die Auseinanderweichen der beiden geraden Bauchmuskeln entlang der Mittellinie des Bauches, der sogenannten Linea alba.
Während der Schwangerschaft dehnt sich die Gebärmutter aus und drückt die Bauchmuskulatur nach außen. Das Bindegewebe zwischen den Muskeln wird gedehnt und geschwächt.
Bei bis zu 100 % aller Frauen im dritten Trimester ist eine gewisse Diastase vorhanden. Die Frage ist, wie stark sie ausgeprägt ist und ob sie sich nach der Geburt von selbst schließt.
Bei vielen Frauen bleibt die Lücke bestehen: Studien zeigen, dass etwa 39 % der Frauen noch ein Jahr nach der Geburt eine klinisch relevante Rektusdiastase haben. Eine Lücke von mehr als 2 Fingerbreiten gilt als behandlungsbedürftig.

Du kannst einen einfachen Selbsttest machen, er ersetzt aber keine professionelle Diagnose durch eine Physiotherapeutin oder Frauenärztin.
So geht der Selbsttest: Leg dich auf den Rücken, Knie angewinkelt, Füße flach auf dem Boden. Lege eine Hand flach auf den Bauch, Fingerspitzen auf die Bauchmitte zeigend.
Hebe langsam den Kopf und die Schultern leicht an. Taste entlang der Mittellinie des Bauches von unterhalb des Brustbeins bis zum Bauchnabel.
Fühlst du eine Lücke von mehr als zwei Fingerbreiten, oder kannst du deine Finger tief einsinken lassen, ist das ein Hinweis auf eine Diastase. Auch die Tiefe der Lücke ist relevant, nicht nur die Breite.
Wichtig: Eine professionelle Beurteilung per Ultraschall ist die zuverlässigste Methode.

Viele Frauen starten nach der Geburt mit Bauchtraining in bester Absicht. Doch bestimmte Übungen erhöhen den intraabdominalen Druck und drücken die Bauchmuskeln weiter auseinander, anstatt sie zu schließen.
Rektusdiastase ist behandelbar. Mit den richtigen Übungen, der richtigen Atemtechnik und Geduld können die meisten Frauen ihre Rumpfstabilität vollständig wiederherstellen. Ein ganzheitlicher Trainingsleitfaden für die Zeit nach der Schwangerschaft hilft dir, behutsam wieder in Bewegung zu kommen.
Lerne die 360-Grad-Atmung: Atme tief in den Bauch, in die Seiten und in den Rücken. Beim Ausatmen zieht sich die tiefe Bauchmuskulatur sanft zusammen. Diese Verbindung zwischen Atem und Rumpf ist die Grundlage jeder sicheren Übung bei Diastase.

Der Transversus abdominis (TVA) ist der tiefste Bauchmuskel und wirkt wie ein natürliches Korsett. Leg dich auf den Rücken, Knie angewinkelt.
Atme aus und ziehe dabei den Bauchnabel sanft Richtung Wirbelsäule, ohne den Atem anzuhalten. Halte 5 bis 10 Sekunden, dann loslassen. Wiederhole 10 Mal.
Beckenboden und Bauchmuskulatur arbeiten als System. Regelmäßige Kegel-Übungen für den Beckenboden sind ein unverzichtbarer Teil der Diastase-Rehabilitation.
Suche professionelle Hilfe, wenn du trotz konsequentem Training nach 3 Monaten keine Verbesserung spürst, anhaltende Rücken- oder Beckenschmerzen hast, Symptome eines Prolaps bemerkst oder die Lücke größer als 3 Fingerbreiten ist und sich nicht verkleinert.
Eine Beckenbodenphysiotherapeutin ist die erste Anlaufstelle.

Gezieltes Beckenbodentraining mit einfachen Übungen zu Hause unterstützt zudem deine Stabilität im Alltag.
Beim Aufstehen: Dreh dich zuerst auf die Seite, dann drücke dich mit den Armen hoch, nicht direkt aus der Rückenlage.
Beim Heben: Atme aus, aktiviere TVA und Beckenboden, dann hebe, nie mit angehaltenem Atem.
Bauchbinden können kurzfristig Entlastung bringen, ersetzen aber kein aktives Training.
Rektusdiastase heilt nicht durch mehr Training, sondern durch das richtige Training. Fang mit dem Atem an, aktiviere die Tiefe und gib deinem Körper die Zeit, die er braucht. Dein Bauch kann wieder stark werden, aber nicht durch Ungeduld.
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